Am Donnerstagabend, dem 23. Juli, war die Kirche „St. Bartholomäus“ in Zeitlarn bis zum letzten Platz gefüllt. Nicht nur das Gestühl war vollständig besetzt, sogar hinter den Säulen, und in den beiden Seitengängen drängten sich die Besucher. Die Angehörigen, Freunde und Wegbegleiter von Pfarrer Schießl sowie eine große Zahl von Gottesdienstbesuchern aus allen Teilen der Bevölkerung, junge Familien mit ihren Kindern, Jugendliche, Erwachsene jeden Alters sowie Seniorinnen und Senioren waren gekommen, um dem plötzlich verstorbenen, angesehenen und beliebten Geistlichen die letzte Ehre zu erweisen.
Auch die Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine und die Vertreter der kirchlichen Gruppierungen und Verbände mit ihren Bannern hatten im Altarraum der Kirche Aufstellung genommen. Die Liturgie, bei der auch Pastoralreferentin Eva-Maria Fritz und Gemeindereferentin Monika Ostermeier mitwirkten, feierte Pfarrer Thomas Meier zusammen mit Pfarrer Josef Hausner aus Diesenbach, Prälat Robert Hüttner, Pfarrer Gerhard Schedl und Pfarrer Ralf Heidenreich, die beide aus unserer örtlichen Gemeinde kommen. Für die musikalische Gestaltung des Requiems waren der Kirchenchor und die drei Organisten der Pfarrgemeinde verantwortlich. In seiner Begrüßung erinnerte Pfarrer Meier daran, dass Zeitlarn der entscheidende Ort für das Wirken von Pfarrer Schießl war, der die Gemeinde 14 Jahre lang geleitet hat. So erklärt sich auch die Verbundenheit und große Anteilnahme der Bevölkerung. Trotz unserer Trauer, haben wir aber auch die Hoffnung, dass der Verstorbene nun ganz bei Gott geborgen ist. Für den Wunsch der in der Pfarrkirche versammelten Gemeinde ihre große Anteilnahme und ihre Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, waren die vielen Rosen, die vor dem Altar neben dem Bild des Verstorbenen abgelegt wurden, ein besonders eindrucksvolles Zeugnis. Jede einzelne Blüte, so drückte es Pfarrer Meier in seiner Ansprache aus, erzählt eine Geschichte und erinnert an ein Erlebnis, das wir mit Pfarrer Schießl verbinden.
Es war geplant, die Rosen nach dem Gottesdienst zu zwei großen Herzen zusammenzustecken. Eines soll den Dank der Gemeinde für einen außergewöhnlichen Seelsorger zum Ausdruck bringen, der immer da war, wenn man ihn brauchte und sich für die Probleme und Sorgen seiner Schäfchen aufgeschlossen zeigte, der also sprichwörtlich ein Herz für die Gläubigen hatte. Das zweite Herz soll ein Symbol für den Glauben an die Auferstehung Christi sein, dafür dass Gottes Liebe größer ist als der Tod, dass wir nicht ins Leere fallen und so auch getrost unseren verstorbenen Seelsorger in die Hände Gottes geben können.
Eine Seite des Sterbebildes, das Pfarrer Meier als sehr gelungen bezeichnete, zeigt den liebevoll mit Pflanzen gestalteten Weg zur neuen Wohnung des Verstorbenen in Bernhardswald, auf dem natürlich eine Henne nicht fehlen darf. Wer ihn gekannt hat, kann darin leicht einen Hinweis auf die Lebensfreude von Josef Schießl und seine besondere Liebe zur Schöpfung erkennen.
Auf der anderen Seite ist die Rohfassung der Statue der hl. Maria Magdalena zu sehen, ein Abschiedsgeschenk der Pfarrgemeinde Zeitlarn für Pfarrer Schießl. Eine farblich gefasste Figur der Heiligen, die die erste Zeugin der Auferstehung war, hatte Pfarrer Schießl für die Pfarrkirche gestiftet. Sie steht dort an der Säule gegenüber der Kreuzigungsgruppe. Ihr Name, Maria Magdalena, ist auch ein Teil des Titels der neuen Pfarreiengemeinschaft „Maria Magdalena im unteren Regental“, der sich die Pfarrgemeinde Zeitlarn angeschlossen hat. Die Entscheidung für diese Darstellung auf dem Sterbebild deutete Pfarrer Meier als Hinweis auf das Vermächtnis des Verstorbenen. Für Pfarrer Schießl sei es immer ein Anliegen gewesen, dass Zeitlarn Teil der neuen Pfarreiengemeinschaft wird. Den Weg dafür hat er bestens vorbereitet.
Man solle damit aber auch die Hoffnung verbinden, so wünschte es Pfarrer Meier, dass der Weg gut weitergeht. Wir könnten das Andenken von Pfarrer Schießl ehren, indem wir es uns zur Aufgabe machen, dem Vorbild des Verstorbenen zu folgen und, wie er es uns vorgelebt hat, unseren Alltag nach dem Evangelium zu gestalten, aufeinander aufzupassen und so weiterzuführen, was er angestoßen hat.
Nach dem Gottesdienst würdigte auch Frau Bürgermeisterin Andrea Dobsch Pfarrer Schießl als bescheiden auftretenden Begleiter, der jederzeit ansprechbar war und der versuchte jedem gerecht zu werden. Gerade deshalb sei die Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde von Respekt und Vertrauen geprägt gewesen. Dies zeigte sich exemplarisch bei der Entscheidung für die Sanierung des Kindergartens, die in gemeinsamer Zielsetzung und Verantwortung getroffen worden sei. Zuletzt drückte sie der Familie von Pfarrer Schießl ihr tief empfundenes Mitgefühl aus und dankte für einen Angehörigen, der Menschen begleitet, Hoffnung geweckt und die Gemeinschaft gestärkt hat.
Als letzte Rednerin bedankte sich die Sprecherin des Pfarrgemeinderates, Frau Eva Brandl, für den Dienst und das Glaubenszeugnis des verstorbenen ehemaligen Pfarrers. Sie lobte die positive Ausstrahlung und die unkomplizierte Art, mit der er auf die Menschen zuging, und würdigte noch einmal die Spuren, die er in der Gemeinde Zeitlarn hinterlassen hat. Der Familie von Pfarrer Schießl sprach sie ebenfalls ihr aufrichtiges Beileid aus und überreichte ein Kondolenzbuch, in dem eine große Zahl von Menschen jeden Alters, aus allen Teilen der Bevölkerung ihre Anteilnahme, ihren Dank ausdrückten und letzte Grüße an den Verstorbenen richteten.
Text: Elisabeth Köppl Bilder: Karlheinz Dirnberger, Elisabeth Köppl

